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Uta Ackermann: 99 Sätze über Engel

Reihe Neue Lyrik      portofrei

18,80 

Beschreibung

Uta Ackermann
Neunundneunzig Sätze über Engel
Reihe Neue Lyrik – Band 16
Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt 
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Hardcover, ca. 128 S., 18,80 €
ISBN 978-3-940691-95-8
poetenladen Verlag 2019

 (Lieferbar ab 10.12.2018)

 

Engel aus dem Off, dunkle Gestalten, weder märchenhaft noch biblisch, unvermittelt tauchen sie auf, stellen Fragen und damit alles in Frage, behaupten rettend zu sein und geben zerstörerische Anweisungen, verharren unerreichbar im Flugmodus, wenn sie doch einmal angerufen werden, sie dulden keinen Widerspruch, der dennoch die einzig mögliche Antwort ist. In ihrem neuen Lyrikband führt uns Uta Ackermann durch alle Spielarten des Engelhaften, poetisch, verspielt, voller Überraschungen. Der Engel als Rettungsengel, als Schlüsselengel oder als Engel im Café – bis hin zum Engel des Abschieds: »Lösch alle Nummern, alle Konten, unser Kredit ist erschöpft, einen neuen wird es nicht geben.«

 

EngelUmgang

Er steht vor der Tür und holt mich ab, ob es regnet,
obs schneit, sein gutes Recht, sagt er, das Recht auf
mich, in Häuser führt er mich nie, nur in Wälder, er
breitet eine Decke aus, zieht ein Klavier aus dem
Rucksack, wir spielen vierhändig, Höhen und Tiefen
behält er sich vor, ich darf mich, zwischen seinen
Händen, mit der Mitte begnügen, wir picknicken, dann
verstecken wir uns und finden uns wieder, nur einmal
nicht, Äste bohren sich in meine Mitte, und das hat er
getan, rufe ich, das Echo hat sich schlafen gelegt,
Blätter versiegeln meinen Mund, er hat es getan, er.

 

 

»Komm, tritt ein und als eine Andere heraus«
Anmerkungen zu Uta Ackermanns Gedichtband
von Jayne-Ann Igel

Engel in der Literatur haben eine lange Tradition, begründet in alttestamentlichen wie mythologischen Texten aus dem gleichen Zeitraum, die literarisch unterschiedlichen Gattungen zuzurechnen sind. Sie stellen im religiösen Kontext Mittler oder Boten dar, als Überbringer von Heilsbotschaften wie auch als Verkünder drohenden Unheils, als Mahner. In der Mythologie wie in der biblischen Tradition verkörpern sie den Einbruch einer transzendentalen Erfahrung in die Lebenswelt des Einzelnen.

Das Phänomen der Engel verortet sich auch bei Uta Ackermanns Texten vor allem in einem selbst. Sie stehen gelegentlich für ein Du, das angesprochen wird und das in der Perspektive gleichsam auch ein Enthobenes darstellt. Mal als Du, mal als Über-Ich, selbander erfahrbar, das den Blick, die Aufmerksamkeit auf ein Geschehen, einen Zustand lenkt. Das dichterische Ich erscheint als Sprechende wie angesprochene, als Reflektierende. »Er hat sich breit gemacht in dir«, heißt es in EngelsAustreibung. Persönlichkeits- und Wirklichkeitsaspekte werden hier evident und steter Wandlung unterworfen, von
Text zu Text. Dramaturgisch erfährt der Prozess in der Abfolge der Gedichte zum Ende hin eine sublime Steigerung, indem immer dringlicher existentielle Dinge wie Tod, Leben, das sich Verlieren in den Fokus geraten.

 

Foto: Uta Ackermann von Kay Röhlen.